FIVE MILLION YEARS

Monica Bonvicini

Kerstin Brätsch

Tobias Spichtig

19.05. – 11.08.2018

Five Million Years

19.05. – 11.08.2018

Kerstin Brätsch, Tobias Spichtig, Monica Bonvicini

Aus der “Die Marmory Show” — ein jährlich wiederkehrendes experimentelles Format, das jeweils inhaltlich zusammen mit einem Gastkurator entwickelt wurde — entstand die Idee zu dieser Jubiläumsausstellung, welche die fünf Jahre Deborah Schamoni Galerie in einen weiter gefassten Zeitrahmen stellt.

Dazu wollen wir aus den Räumen in der Mauerkircherstrasse heraus zoomen und die Konstellation der beteiligten Künstlerinnen wie ein Sternbild betrachten. Monica Bonvicini wäre demnach ein Fixstern, noch aus den Berliner Tagen, Kerstin Brätsch wäre ein immer wieder kehrender Komet mit eigener Bahn durch das Kunstuniversum und Tobias Spichtig wäre ein eben über dem Horizont aufgehender Mond.

Setzen wir deshalb Spichtig an den Anfang: eine Serie von Tafelbildern zeigt die Erde und ihren Trabanten noch als Würfel, bevor sie sich zu ihrer jetzigen Form optimieren konnten. Oder sind die Würfel die kaputt geplante Zukunft der Erde?

Skulpturen von 2016, die Erdenbewohner nur als Geister, als in Kleidungsstücke eingefrorene Ahnungen, welche die menschliche Form vorwegnehmen.

Sind die Menschen bereits Dinosaurier ihrer selbst?

In Kerstin Brätschs Tapete scheinen sich die Urviecher aus dem Sediment zu schälen. Geschmolzene Quarze und Schlacken sind dem Urschlamm entrissen. Fast heiter erscheint hier die Qual mit der sich unser Planet selbst ausformte. Durch die Ablagerungen und Schichtungen der Erdzeitalter hindurch blitzen Gesichter und Grimassen wie Vorahnungen der wenigen Minuten, welche die Menschheit auf ihrem Planeten verbringt. Und fünf Jahre sind kürzer als eine Weltsekunde!

Aber jetzt steht hier ein schwarzer Monolith von Monica Bonvicini. Behauptet dieser Corner Boy aus Hosengürteln noch ewige Intelligenz, so wie das in der berühmten Anfangsszene von Kubricks 2001 der Fall war? Da ist auch noch eine andere Skulptur: 7:30 hrs könnte die Rekonstruktion von archaischen Fundamentresten einer antiken Kultstätte sein, wäre ihr Ursprung nicht sehr profan, sie ist das Resultat einer Gesellenprüfung für Maurer.

Sieben einhalb Stunden für eine Mauer, fünf Jahre für eine Galerie, fünf Millionen für ein neues Bewusstsein unseres Planeten.