Deborah Schamoni

Mauerkircherstr. 186

D-81925 München

Wednesday – Friday 12 – 6 pm

Saturday 12 – 4 pm and by appointment

À l’heure dorée
Hilda Kortei Kateryna Lysovenko Ad Minoliti Francis Offman

18.07. – 12.09.2026

En / De
  • The golden hour is momentary. In this exhibition, that succinctness becomes the central condition. Each work holds light at the edge of disappearance, and the show unfolds as an unfinished script, its scenes assembled but never resolved. 

    Kateryna Lysovenko opens with the language of monumental painting turned against its own history. Trained in a tradition built for ideology, she thins it into translucence: oil handled like watercolour, bodies as glazes of rose and crimson through which the interior remains visible. In How strong hearts can be broken, a torso opens like a reliquary; tenderness becomes anatomical. Mermaids embrions suspends new life in the water of dusk, creatures that, in Ukrainian folklore, only the innocent can see. At the same time, Das Leben in den Taschen names her condition of production: a life carried in pockets, paradise as portable property. Hers is the last light in which an idyll can still be defended. 

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    Hilda Kortei answers in the opposite tempo: improvisation, not monument. Her surfaces are collaged, hand-sewn, layered with spray paint, oil stick and glitter, built the way a phrase is built in scat singing: broken open, reassembled, left ringing. Her titles perform the same interruption. black. Thus, ends on a comma; Speech whatever shrugs off its own eloquence; Short durationnames the hour itself, while No prize steps off the wall entirely, refusing the trophy logic of completion. Her golden hour is a duration made material in which glitter catches the light; the painting stays open the way dusk keeps the day open, a moment longer. 

    Into this light, Ad Minoliti releases the animals. Coming from geometric abstraction’s Latin American lineage, Minoliti carries it into fable: hard-edge geometry softens into coloured pencil, triangles grow eyes, a fox slips past a tree, Violeta drinks from a flower. Zorrx and Many, furry beings beyond gender and species, stand among the works as the exhibition’s viewers: geometry embodied, utopia in plush. Theirs is the hour of encounter, when daylight loosens and other creatures come out. 

    Francis Offman closes the day with what it leaves behind. Coffee grounds gathered from friends, ink, resins on jacquard; a slow, almost old-masterly economy in which nothing is bought and nothing wasted. His umber fields are abstraction as sediment: each surface holds the hands, kitchens and conversations it passed through, the colonial history of coffee ground into pigment. His golden hour is the residue at the bottom of the cup, evening’s true colour. 

    Rose, gold, ultramarine, umber. Four characters meet at the golden hour, each carrying a secret the others suspect. The script stays open, the constellation unresolved, and as with every rendezvous in this light, a deep shadow arrives with it. 

    Text: Sophie Goltz

  • Die goldene Stunde ist flüchtig. In dieser Ausstellung wird diese Flüchtigkeit zur zentralen Bedingung. Jedes Werk hält Lichtam Rand des Verschwindens, und die Ausstellung entfaltet sich als unvollendetes Drehbuch, dessen Szenen montiert, aber nie aufgelöst werden. 

    Kateryna Lysovenko eröffnet mit der Sprache der monumentalen Malerei, gewendet gegen ihre eigene Geschichte. Ausgebildet in einer Tradition, die für Ideologie erdacht wurde, verdünnt sie diese ins Transluzente: Öl, geführt wie Aquarell, Körper als Lasuren aus Rosa und Karmin, durch die das Innere sichtbar bleibt. In How strong hearts can be broken öffnet sich ein Torso wie ein Reliquiar; Zärtlichkeit wird anatomisch. Mermaids embrions hält neues Leben im Wasser der Dämmerung in der Schwebe; Wesen, die in der ukrainischen Folklore nur die Unschuldigen sehen können. Das Leben in den Taschen wiederum benennt ihre Produktionsbedingung: ein Leben in Taschen getragen, das Paradies als beweglicher Besitz. Ihre goldene Stunde ist das letzte Licht, in dem sich ein Idyll noch verteidigen lässt.

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    Hilda Kortei antwortet im entgegengesetzten Tempo: Improvisation statt Monument. Ihre Oberflächen sind kollagiert, von Hand genäht, geschichtet aus Sprühfarbe, Ölkreide und Glitter, gebaut wie eine Phrase im Scat-Gesang: aufgebrochen, neu zusammengesetzt, nachklingend. Ihre Titel vollziehen dieselbe Unterbrechung. black. Thus, endet auf einem Komma; Speech whatever zuckt über die eigene Eloquenz die Schultern; Short duration benennt die Stunde selbst, während No prize ganz von der Wand tritt und die Trophäenlogik der Vollendung verweigert. Ihre goldene Stunde ist Dauer, die zu Material geworden ist: Glitter fängt das Licht, und das Bild bleibt offen, wie die Dämmerung den Tag offen hält, einen Moment länger.

    In dieses Licht entlässt Ad Minoliti die Tiere. Aus der lateinamerikanischen Linie der geometrischen Abstraktion kommend, führt Minoliti sie in die Fabel: Hard-Edge-Geometrie wird weich unter Buntstift, Dreiecke bekommen Augen, ein Fuchs streift an einem Baum vorbei, Violeta trinkt aus einer Blüte. Zorrx und Many, pelzige Wesen jenseits von Geschlecht und Spezies, stehen zwischen den Arbeiten als Betrachtende der Ausstellung: Geometrie, die Körper geworden ist, Utopie in Plüsch. Ihre goldene Stunde ist die Stunde der Begegnung, wenn das Tageslicht nachlässt und andere Wesen hervorkommen.

    Francis Offman beschließt den Tag mit dem, was er zurücklässt. Kaffeesatz, gesammelt von Freunden, Tusche, Harze auf Jacquard; eine langsame, beinahe altmeisterliche Ökonomie, in der nichts gekauft und nichts verschwendet wird. Seine umbrafarbenen Felder sind Abstraktion als Sediment: Jede Oberfläche bewahrt die Hände, Küchen und Gespräche, durch die sie gegangen ist, die koloniale Geschichte des Kaffees, zu Pigment vermahlen. Seine goldene Stunde ist der Satz am Boden der Tasse, die wahre Farbe des Abends.

    Rosa, Gold, Ultramarin, Umbra. Vier Charaktere verabreden sich zur goldenen Stunde, jeder trägt ein Geheimnis mit sich, das die anderen ahnen. Das Drehbuch bleibt offen, die Konstellation unaufgelöst, und wie bei jedem Rendezvous in diesem Licht kommt ein tiefer Schatten mit.

    Text: Sophie Goltz

Photos: Dirk Tacke