HANNA-MARIA HAMMARI and VERA PALME

Double

 

07.02. – 07.03.2020

Hanna-Maria Hammari & Vera Palme

DOUBLE

06.02. – 07.03.2020

 

In DOUBLE sind die Arbeiten von Hanna-Maria Hammari und Vera Palme Protagonistinnen in einer Konstellation, die uns auf ein unsicheres Terrain führt. Durch Taktiken der Imitation und Täuschung entsteht ein Doppelspiel mit der Gegenwart, indem sie körperliche und affektive Zustände verschieben, übertreiben oder persiflieren. Überkreuzungen von Natur und Kultur bringen die Künstlerinnen zu hybriden Formen, die andauernd neue Vorstellungsbilder aus sich heraus entwickeln. Dieser Moment der Hervorbringung sowie die Illusionsfähigkeit der Materialien schaffen eine positive Verwirrung.

 

In den Keramiken von Hanna-Maria Hammari verbindet sich die elegante Ästhetik der Verstrebungen mit der Gewalt eines bedrohlichen Mechanismus. Ihre Formen orientieren sich an schützende Ausrüstungen des Körpers und reflektieren gleichzeitig die rabiate Gefangennahme von Lebewesen. Damit kehrt in den Skulpturen die Verletzlichkeit zurück, die alle lebendigen wie toten Dinge gleichermaßen betrifft. Auch die vertikal aufragenden Objekte aus Holz rufen in ihrer Körperlichkeit ambivalente Mischformen auf. In Segmente unterteilt, enden sie in Fortsätze, die ihre potentielle Beweglichkeit durch tiefe Einschnitte erhalten. Demonstrativ lassen die Objekte ihre Ausläufer hängen, erstarrt in einem Spiel zwischen Passivität und latenter Aggression.

 

In anderer Weise verhandeln die Bilder von Vera Palme die Möglichkeiten ihres Mediums, um diese sogleich als Nachahmung und Persiflage zu enttarnen. Aussparungen auf und an den Rändern der Leinwände unterstützen die Erscheinung der Motive als mehrfache Einrahmungen. Diese Umfassungen können sich weiter zu labyrinthischen Linien auffächern, sie umgrenzen wuchernde Dickichte oder ornamental gegliederte Objekte. Biomorphe Konturen wie Maserungen und Gewächse vermischen sich mit architektonischen Figuren. Festgehalten in einem ungerichteten Prozess der Entstehung genauso wie der Zersetzung, drängt die in der Malerei angelegte Tiefe immer wieder plastisch nach vorne.

 

In DOUBLE treffen Arbeiten der Künstlerinnen aufeinander, die eine verstärkte Sensibilität gegenüber den Dingen und Lebewesen einfordern. Dies schließt auch den gegenseitigen Austausch mit ein – im Wissen darum, dass die künstlerische Arbeit stets in ein Netz von komplexen Transformationen, Verhandlungen und Bemächtigungen mit und durch andere eingebettet ist.

 

Simone Neuenschwander

Hanna-Maria Hammari & Vera Palme

DOUBLE

06.02. – 07.03.2020

 

In DOUBLE, the works of Hanna-Maria Hammari and Vera Palme are protagonists in a constellation that leads us into an unsettled terrain. Tactics of imitation and deception generate a double play with the present by shifting, exaggerating or parodying physical and affective states. Crossings between nature and culture take the artists to hybrid forms that constantly develop new images from within themselves. This moment of emergence as well as the illusory capacity of the materials create a positive confusion.

 

In the ceramics of Hanna-Maria Hammari, the elegant aesthetics of the struts are combined with the violence of a threatening mechanism. Their forms are orientated towards protective gear of the body and at the same time reflect the ruthless capture of living beings. Thus, a vulnerability returns in the sculptures, which affects all living and dead things alike. The vertically standing wooden objects also invoke ambivalent mixed forms in their physicality. Divided into segments, they end in extensions that receive their potential mobility through deep incisions. Demonstratively, the objects leave their tails hanging, frozen in an interplay between passivity and latent aggression.

 

In a different way, Vera Palme’s paintings negotiate the possibilities of their medium in order to immediately reveal them as imitation and persiflage. Recesses on and at the edges of the canvases support the appearance of the motifs as multiple framings. These enclosures can fan out further into labyrinthine lines, they border rampant thickets or ornamentally structured objects. Biomorphic contours such as grains and growths blend with architectural figures. Captured in an undirected process of both creation and decomposition, the depth inherent in the paint itself pushes forward repeatedly.

 

In DOUBLE, works by the artists come together, which call for an increased sensitivity towards things and living beings. This also includes mutual exchange ­– in the awareness that artistic work is always embedded in a network of complex transformations, negotiation and appropriation with and by others.

 

Simone Neuenschwander